Pankreatitis beim Hund: der Feind im eigenen Körper

Eine der wohl heimtückischsten Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt ist die Bauchspeicheldrüsenentzündung. Aufgrund einer Fehlfunktion beginnt das Organ langsam sich selbst zu verdauen. Mehr als einer von zehn Hunden erkrankt einmal in seinem Leben daran. Die Ursachen sind vielfältig und für den Tierarzt oft schwer festzustellen. Eine entsprechende Ernährung spielt sowohl bei der Vorbeugung als auch bei der Heilung eine maßgebliche Rolle.
Kranker Hund beim Tierarzt

Ein Tierarzt kann die Diagnose stellen / © SergeyNivens – depositphotos.com

Kleines Organ mit großer Macht

Die Bauchspeicheldrüse sitzt im oberen Bauchbereich, hinter dem Magen und gibt neben dem Pankreassaft wichtige Verdauungsenzyme in den Dünndarm ab. Schon der Geruch einer Mahlzeit lässt beim Hund nicht nur das Wasser im Mund zusammenlaufen, sondern auch den Pankreassaft im Darm. Pro Tag produziert ein 10-kg-schwerer Hundekörper etwa einen halben Liter davon. Der Pankreassaft neutralisiert die Magensäure und schafft so im Dünndarm optimale Arbeitsbedingungen für die von der Bauchspeicheldrüse freigegebenen Enzyme. Diese sind:

  • Peptidasen für die Verdauung von Eiweiß,
  • Amylase für die Verdauung von Kohlenhydraten,
  • Lipasen für die Verdauung von Fetten und
  • Nukleasen für die Verdauung von RNA und DNA

Die Menge der freigegebenen Enzyme hängt vom Mageninhalt ab. Befinden sich zum Beispiel viele Kohlenhydrate darin, setzt der Pankreas mehr Amylase frei.

Erst wenn die Enzyme ihre Arbeit getan haben und die Nährstoffe aufgespalten sind, können sie durch die Dünndarmwand in den Blutkreislauf gelangen und dem Körper Energie liefern.

Die Aufgabe der Bauchspeicheldrüse ist nicht ungefährlich, denn sie läuft ständig Gefahr sich selbst zu verdauen. Diverse Schutzmechanismen sind notwendig, damit die Enzyme ihre Tätigkeit erst im Dünndarm aufnehmen. Versagen diese Schutzmechanismen sind Entzündungszellen Tür und Tor geöffnet.

Was geschieht bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Wenn die Ausscheidung der Verdauungsenzyme in den Dünndarm gehemmt ist, verweilen sie zu lange in der Bauchspeicheldrüse und werden unglücklicherweise noch darin aktiviert. Damit verdaut das Organ sich selbst.

Blutgefäße werden geschädigt, die Bauchspeicheldrüse schwillt an und in schweren Fällen greift die Selbstverdauung auf das umliegende Gewebe über. Wird Fettgewebe angegriffen, versteift es und es kommt zu einer schmerzhaften Fettgewebsnekrose und möglicherweise zur Bildung von Abszessen.

Chronische und akute Pankreatitis

Es wird unterschieden zwischen akuter und chronischer Pankreatitis. Im besten Fall heilt akute Pankreatitis schnell ab, ohne Schäden zu hinterlassen. Greift sie aber um sich, droht Lebensgefahr. Sepsis (Blutvergiftung), Schock und sogar Organversagen sind mögliche Folgen.

Chronische Pankreatitis kann schleichend verlaufen. Die Symptome sind weniger heftig, doch das macht sie nicht minder gefährlich. Durch eine immer wiederkehrende Belastung, kommt es zur Bildung von Narbengewebe und zum Schrumpfen von funktionierendem Organgewebe. Oft folgt daraus eine Bauchspeicheldrüsenschwäche und eventuell sogar Zuckerkrankheit.

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung kann leider jeden Hund treffen, unabhängig von Alter und Krankheitsgeschichte. Der definitive Auslöser ist schwer zu bestimmen, die Liste der möglichen Ursachen ist lang:

  • ungeeignete Nahrung
  • erhöhte Blutfettwerte (bei Zwergschnauzern erblich bedingt)
  • Übergewicht
  • Durchblutungsstörungen
  • Trauma
  • hormonelle Erkrankungen
  • bestimmte Medikamente (z.B. Antiepilleptika)
  • Leberentzündung oder chronische Darmentzündung (IBD)
  • Infektionen (bei Hunden eher selten)

Die Aufnahme von falschem, unhygienischem Futter kann das Verdauungssystem in vielerlei Hinsicht schädigen, bei der Bauchspeicheldrüse wirkt sich aber vor allem fettreiche Nahrung negativ aus. Schläge und Stöße können den Pankreas verletzen, darum sollten Sie nach jedem Unfall das Verhalten Ihres Hundes genau im Auge behalten.

Durchblutungsstörungen können infolge einer Narkose auftreten aber auch bei zu niedrigem Blutdruck oder einer Magendrehung. Es gibt Hunderassen, die besonders anfällig für Bauchspeicheldrüsenentzündungen sind. Diese sind Boxer, Cavalier King Charles Spaniel, Cocker Spaniel, Collies und kleine Terrier-Rassen. Es schadet nicht, bei diesen Rassen vorbeugend auf eine angemessene Ernährung zu achten. Für eine gesunde und artgerechte Ernährung empfehlen wir ein hochwertiges Nassfutter.

Falsche Ernährung bei Hunden

Falsche Inhaltsstoffe können den Hund krank machen / © willeecole – depositphotos.com

Pankreatitis erkennen

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung als Laie festzustellen, ist schwierig. In ihren Symptomen unterscheidet sie sich praktisch nicht von allen anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Die offensichtlichsten sind Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Unter Umständen kommen Fieber und eine Gelbfärbung der Schleimhäute hinzu, und im späteren Verlauf, aufgrund der Dehydrierung, Schwäche, Gewichtsverlust und Apathie. Vermehrte Atmung und Herzrhythmusstörungen sind ebenfalls mögliche Nebenerscheinungen.

Die starken Bauchschmerzen im oberen Bauchbereich erkennen Sie typischerweise am häufigen Einnehmen der sogenannten Gebetsstellung. Dabei streckt der Hund die Vorderbeine nach vorne und die Brust sinkt in Richtung Boden, während die Hinterbeine geradestehen. Sie kennen diese Haltung ebenfalls als Aufforderung zum Spiel, Strecken oder als Zeichen der Beschwichtigung.

Weitere Hinweise auf Bauchschmerzen sind ein staksiger Gang, aufgekrümmter Rücken und oft legt der Hund sich an für ihn ungewöhnlichen Orten hin, d.h. auf sehr kalten oder aber warmen Oberflächen, wo er normalerweise nicht liegt. Generell gilt, achten Sie auf jegliche Verhaltensänderung.

Schnelles Handeln ist gefragt

Aufgabe des Tierarztes ist es nun, andere Magen-Darm-Erkrankungen auszuschließen. Mittlerweile gibt es Schnelltests, die Pankreatitis sicher diagnostizieren können, wenn die Erkrankung stark ausgeprägt ist. Befinden sich die Werte jedoch im Graubereich, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Bei einer Routine-Blutuntersuchung wird festgestellt inwieweit andere Organe bereits betroffen sind, das ist wichtig für die Therapieplanung. Eine Röntgenuntersuchung soll sicherstellen, dass kein Fremdkörper in den Bauchbereich eingedrungen ist, der die Bauchspeicheldrüse verletzt haben könnte. Und ein Bauchultraschall gibt weiter Aufschluss darüber, wie weit fortgeschritten die Entzündung bereits ist. Eine eindeutige Diagnose kann aber nur durch eine Operation erfolgen. Dabei wird Bauchspeicheldrüsengewebe entnommen und im Labor untersucht.

Wenn der Elektrolyt-Haushalt gestört ist, wird der Tierarzt eine Flüssigkeitstherapie anordnen. Bei schwerer Pankreatits wurde früher häufig völliges Fasten empfohlen. Heutzutage weiß man jedoch, dass die Krankheit schneller abheilt, wenn der Darm frühzeitig wieder mit Energie versorgt wird und beginnt spätestens nach 24 Stunden fasten, aufgrund starken Erbrechens, wieder mit der Nahrungszufuhr.

Mit Flüssignahrung durch eine Sonde gelingt es, dem Körper Energie zu liefern und dabei die Bauchspeicheldrüse nicht zu stimulieren, weitere Enzyme freizusetzen. Zusätzlich helfen Infusionen, den Wasser- und Salzhaushalt wiederherzustellen. Diese Kombination aus Infusion und Sonde nennt man mikroenterale Ernährung.

Schmerzmittel führen meist zu einer deutlichen Verbesserung des Allgemeinzustands. Eine entsprechende Therapie ist deshalb auf jeden Fall anzuraten. Wenn nötig werden zusätzlich Medikamente gegen das Erbrechen verabreicht und eine fettarme Diät, eventuell mit Spezialfutter, ist einzuhalten.

Hund zur Untersuchung beim Tierarzt

Hund zur Untersuchung beim Tierarzt / © Syda_Productions – depositphotos.com

Wann neigt der Hund zu Pankreatitis?

Der Zustand des Darms entscheidet über das Wohlergehen des gesamten Körpers. Umso wichtiger ist es, dass Sie mit einer angemessenen Ernährung für seine Gesundheit sorgen.

Hunde, die zu Pankreatitis neigen, sollten anstatt einer oder zwei großer Mahlzeiten, lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen, um die Bauchspeicheldrüse nicht zu überlasten. Die Fütterungszeit und Mahlzeitgrößen sollten Sie so konstant wie möglich halten.

Zudem müssen Sie auf eine hohe Verdaulichkeit achten, d.h. hohe Rohstoffqualität, schonende Herstellungsverfahren und Eiweiß mit hoher biologischer Wertigkeit. Bei Hunden mit schwacher Bauchspeicheldrüse gilt nicht, je mehr Eiweiß desto besser, manchmal ist sogar eine komplette Proteinrestriktion notwendig. Und verzichten Sie in jedem Fall auf Rohfleischfütterung. Da ein hoher Fettgehalt in der Nahrung Pankreatitis verursachen kann, achten Sie auf eine fettarme Ernährung.

Aber Vorsicht: Auf Futterverpackungen steht der Fettgehalt meist in der Originalsubstanz angegeben. Diesen müssen Sie umrechnen auf den Fettgehalt in der Trockenmasse. Bei Hunden mit erhöhten Blutfettwerten muss dieser unter 10 % liegen, bei allen anderen anfälligen Hunden unter 15 %.

Lesen Sie immer die Inhaltslisten auf Ihrem Hundefutter? Oder bekommt Ihr Hund lieber Selbstgekochtes? Erzählen Sie uns gerne in den Kommentaren, wie Sie die Verdauung Ihres Hundes gesund erhalten.

2 Comments
  1. Reply
    Brigitte Runge 8. Mai 2019 at 15:09

    Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über Pankreatitis gelesen. Mein Hund, Bolonka 3 kg leicht, ist vor 2 Jahren erkrankt. Nach einem 5tägigen Klinikaufenthalts war sie wieder zuhause, allerdings kam die Erkrankung immer wieder. Ich habe dann gelesen, dass diese Hunde keine Kohlenhydrate erhalten sollte. Das Futter habe ich beim behandelnden Tierarzt gekauft. Ich habe dann von mir aus auf ein anderes Futter (Pferd / Pastinake) umgestellt, es ging alles gut bis vor ca. 4 Wochen. Es stellten sich dann Bauchschmerzen, Speien, und zwischendurch allerdings morgendliches Erbrechen mit grüngelbem Schleim ein. Beim TA wurde der Magen mit Kontrastmittel geröntgt ohne Resultat. Ich weiß nicht mehr weiter und auch der TA kann mir nicht helfen. Können Sie vielleicht ein Futter aus Erfahrung empfehlen. Ich bin auch gerne bereit selbst zu kochen, bin aber nicht sicher, welche Vitamine man dem Selbstgekochten zufügen muss, damit keine Mangelerscheinungen auftreten. Für eine Info wäre ich sehr dankbar.

    • Reply
      Markus 8. Mai 2019 at 17:44

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es tut mir leid, dass Sie diese Erfahrungen mit Ihrem Bolonka machen mussten. Gerne sende ich Ihnen meine persönliche Empfehlung per E-Mail zu.

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