Hilfe bei Übersäuerung beim Hund

In der menschlichen Ernährung ist Basenfasten derzeit in aller Munde. Eine basische Diät verspricht mehr Wohlbefinden und Linderung von allerlei körperlichen Beschwerden. Doch inwieweit kann dieses Prinzip auf den Hund übertragen werden? Übersäuern Hunde ähnlich wie wir? Worauf müssen wir bei der Ernährung unserer Hunde achten, wenn eine Übersäuerung besteht?
Hund frisst rohes Stück Fleisch

Hunde haben einen sensiblen Säure-Basen-Haushalt / © PhilStev – depositphotos.com

Sensibler Säure-Basen-Haushalt

Säuren spielen eine wichtige Rolle im gesunden Organismus des Hundes, insbesondere bei der Verdauung. Die Magensäure hat einen pH-Wert von 1 bis 2, damit ist sie in der Lage Nahrung, besonders Eiweiß, aufzuspalten.

Im Dünndarm liegt der pH-Wert bei 5 bis 6, hier werden vor allem Kohlenhydrate verarbeitet und die Eiweiß-Verdauung wird fortgesetzt. Während hier das Milieu eindeutig sauer ist, muss es in anderen Bereichen des Körpers hingegen basisch bleiben.

Der Saft der Bauchspeicheldrüse ist mit einem pH-Wert zwischen 10 und 12 eindeutig basisch. Ebenso wie Gelenkflüssigkeit und Blut mit einem pH-Wert von 7,4. Bereits ab einem pH-Wert von 7 wird Gelenkflüssigkeit starr und brüchig, was Entzündungen und Arthrose zur Folge haben kann.

Sinkt oder steigt der pH-Wert im Blut, schalten sich diverse Regelungsmechanismen ein, um ihn ganz schnell wieder zu stabilisieren. Denn schon eine geringe Disharmonie kann schwere Folgen nach sich ziehen. Bereits bei der Verdauung sorgt die Darmwandmuskulatur dafür, dass Säuren die Darmwand nicht durchdringen und mit dem Kot wieder ausgeschieden werden. Über die Lunge wird Kohlendioxid abgeatmet (respiratorische Kompensation) und in den Nieren findet die renale Kompensation statt, bei der Säuren anschließend über den Urin ausgeschieden werden.

Ist der Säure-Basen-Haushalt ausgewogen, ist der Hund fit, hat ein starkes Immunsystem und ist leistungswillig. Sinkt der pH-Wert jedoch in einen kritischen Bereich, wird der Hund „sauer“, im wahrsten Sinne des Wortes.

Azidose und chronische Übersäuerung

Gerade im Bereich der Rohfütterung wird immer öfter geraten, Hunden und auch Katzen nicht zu viel Fleisch zu füttern und mehr pflanzliche Inhaltsstoffe in die Ernährung zu integrieren, da ansonsten der Organismus angeblich übersäuern soll. Bei der Verdauung von tierischem Eiweiß entstehen Säuren. Für den menschlichen Körper stellt das eine Herausforderung dar und kann zum Problem werden, für Hunde im Normalfall nicht. In bestimmten Krankheitsfällen bleibt jedoch auch beim Hund nichts anderes übrig, als auf Fleisch nahezu völlig zu verzichten. Bei Katzen, die naturgemäß reine Fleischfresser sind, geht der Versuch jedoch so gut wie immer daneben.

Chronische Übersäuerung bei Tieren mit der Übersäuerung beim Menschen gleichzusetzen, wird allgemein recht kritisch betrachtet. Ein gesunder Organismus kann ein zu viel an Säure mit seinen natürlichen Puffermechanismen selbst regulieren. Damit diese aber funktionieren, müssen mit der Nahrung natürlich genügend Nähr- und Mineralstoffe aufgenommen werden. Jegliche Entzündung im Körper, Fieber oder negativer Stress beeinträchtigen die körpereigenen Puffersysteme und verursachen zusätzliche Säuren im Körper.

Sind die Puffersysteme überlastet, aufgrund von absoluter Mangelernährung oder weil die Nieren- oder Lungenfunktion wegen bestehender Krankheiten beeinträchtigt ist, sinkt der Blut-pH-Wert und eine metabolische Azidose kann entstehen (pH-Wert unter 7,36). Bei zu viel Säure werden die roten Blutkörperchen unbeweglich und die Fließeigenschaft des Blutes lässt nach. Wenn daraufhin nicht mehr genügend Nährstoffe in die Zellen, oder zu wenige Abfallprodukte aus den Zellen transportiert werden, wird die Übersäuerung irgendwann lebensbedrohlich.

Das Immunsystem ist in dauernder Alarmbereitschaft und wird kontinuierlich schwächer. Die Infektanfälligkeit steigt, Allergien können entstehen, Gelenke können Schaden nehmen, die Leistungsfähigkeit sinkt und die Stimmung ist schlecht. Anders als eine chronische Übersäuerung beim Menschen, ist eine akute Azidose ein tierärztlicher Notfall und Bedarf einer schnellen Behandlung.

Kranker und müder Hund

Macht Ihr Hund einen kranken und müden Eindruck? / © ikostudio – depositphotos.com

Überproduktion von Magensäure

Im Gegenteil zur Azidose, welche eher die Ausnahme darstellt, kommt eine Übersäuerung des Magens beim Hund häufiger vor. Dabei handelt es sich um ein Zuviel an Magensäure im Magen, welches dann schmerzhaftes Sodbrennen und Schlimmeres auslöst.

Die Magenschleimhaut produziert Magensäure, sobald diese für die Verdauung benötigt wird. Genauer gesagt, sobald sie gleich benötigt werden wird, denn die Produktion beginnt schon bevor das Futter im Magen ankommt. Wird ein Hund immer zur gleichen Tageszeit gefüttert oder beispielsweise immer eine halbe Stunde nach dem Spazierengehen, stellt sich der Magen darauf ein und produziert in seiner Erwartungshaltung Magensäure – ob da jetzt Futter reinkommt oder nicht. Die Vorbereitung ist auch wichtig, denn die Magensäure tötet schädliche Bakterien und Keime sobald sie den Verdauungstrakt betreten, sodass sie dem Körper nicht schaden können. Wenn aber nun das Futter nicht rechtzeitig kommt, hat der Magensaft nichts zu tun und weicht nach oben in die Speiseröhre aus, als Sodbrennen, oder wandert in den Dünndarm, wo er die empfindliche Schleimhaut schädigt. Bei einer dauernden Überlastung der Magenschleimhaut durch die Säure, kann auch diese Schaden nehmen und eine Gastritis entsteht.

Eine Hyperazidität, wie die Überproduktion von Magensäure im Fachjargon genannt wird, können Sie erkennen an:

  • Fressen von Gras und manchmal Erde
  • Übermäßiges Speicheln und Schmatzen
  • Saures Aufstoßen
  • Lecken an glatten Oberflächen
  • Erbrechen auf nüchternen Magen
  • Mundgeruch
  • Unwohlsein und Schmerzen
  • Müdigkeit

Wenn die Säure ihren Weg über die Haut nach draußen sucht:

  • Starker Juckreiz
  • Ekzeme
  • Tränenstraßen
Basenpulver für Hunde

Spezielle Basenpulver können als Säureblocker genutzt werden

Basenpulver als Säureblocker

Wurde bei Ihrem Hund eine Übersäuerung festgestellt und zum Beispiel von Ihrem Tierarzt bestätigt? Dann gibt es einige Möglichkeiten, um die Übersäuerung und die damit verbundenen Symptome wieder loszuwerden.

Eine Möglichkeit stellt eine Futterumstellung dar. Auf den gesunden Lebensstil gehen wir auch im nächsten Absatz ein, denn die Ernährung spielt bei einer Übersäuerung meist eine tragende Rolle. Ernähren Sie Ihren Vierbeiner gesund und artgerecht. Verzichten Sie auf Unmengen an Getreide in der Nahrung, auf Chemie und andere Zusatzstoffe. Hunde brauchen einen geringen Anteil an Kohlenhydraten und einen erhöhten Anteil an Fleisch. Letzterer sollte ebenfalls in guter Qualität sein.

Ernähren Sie Ihren Hund bereits artgerecht und mit viel Fleisch? In einigen Fällen hilft es bereits, wenn Sie den Fleischanteil senken und durch Flocken ersetzen. Hier eignen sich beispielsweise Kartoffel- oder Gemüseflocken.

Wenn auch das nichts hilft oder falls vom Tierarzt verordnet, können unter anderem bestimmte Basenpulver als Säureblocker genutzt werden. Da wir persönlich bereits bei einem Hund mit kurzfristiger Übersäuerung zu kämpfen hatten, haben wir uns ein solches Produkt bestellt. Aufgrund der Wirkung und der natürlichen und zusatzstofffreien Zusammensetzung können wir dieses weiterempfehlen.

Das Basenpulver von Provital besteht aus Kaliumbicarbonat, Kaliumcitrat, Natriumbicarbonat, Magnesiumcarbonat und Calciumcarbonat. Es handelt sich dabei um ein Pulver, welches unter das Futter gemischt gegeben werden kann.

Basenpulver bei Übersäuerung beim Hund

Gesunder Lebensstil als Vorbeugung

Hyperazidität ist keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom, mit dem der Körper auf verschiedene Ursachen reagiert. Das können zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein, Nierenerkrankungen und häufig auch Stress. Die Verdauung ist eng mit der Psyche verwoben, beim Hund wie beim Menschen. In Stresssituationen lenkt der Körper alle Energie in Körperbereiche, die bei erhöhter Aufmerksamkeit und Leistungssteigerung helfen – die Verdauung gehört nicht dazu.

Infolgedessen wird der Magen nicht mehr mit genügend Blut versorgt und die Magenschleimhaut kann sich vor der Magensäure nicht mehr schützen. Ein Körper, der nie zur Ruhe kommt, kann sich nicht um die Verdauung kümmern. Deshalb werfen Sie einen genauen Blick auf den Alltag ihres Hundes. Bekommt er ausreichend Schlaf und Ruhe? Ist er körperlich vielleicht überlastet? Gibt es irgendwelche Veränderungen, denen er sich geradestellen muss? Kommt er eventuell sogar aus dem Tierschutz mit einer unschönen Vorgeschichte? Finden Sie die Auslöser für psychischen und körperlichen Stress und eliminieren Sie sie, so gut wie möglich.

Da die gewohnheitsmäßige Fütterung dem Magen zum Verhängnis werden kann, versuchen Sie Ihren Hund zu unregelmäßigen Zeiten zu füttern. Hilfreich kann es auch sein, mehrere kleine Portionen anstatt einer oder zwei großer zu geben. Auch eine zeitweilige Schonkost kann schneller Linderung verschaffen. Bei Verdacht auf Futtermittelunverträglichkeit kann der Tierarzt eine Ausschlussdiät verordnen.

Gehen Sie vorsichtig mit Säureblockern und Schleimhautschutz vor. Auf lange Sicht können solche Medikamente die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen sowie Keimen und Bakterien die Wege offenhalten. Achten Sie auf die korrekte Dosierung und kontrollieren Sie ggf. regelmäßig die Werte bei Ihrem Tierarzt.

Welpe frisst aus Hundenapf

Auch das Hundefutter spielt eine große Rolle bei einer Übersäuerung / © Spaces – depositphotos.com

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Es gibt natürlich Hunde, die anfälliger für Azidose und Magenübersäuerung sind. Eine gesunde, artgerechte Ernährung ist aber in jedem Fall eine gute Prophylaxe. Achten Sie auf schonend verarbeitetes Futter, geringe Getreideanteile, keine unnötigen Füllstoffe, Konservierungsstoffe oder Farbstoffe. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, ohne den Hund zu überlasten. Vermeiden Sie Stress und halten Sie die Zufuhr von Giftstoffen so gering wie möglich (Anti-Parasitika, unnötige Medikamente). Sollten Sie noch auf der Suche nach einem neuen Futter sein, werfen Sie gerne einen Blick in unsere Praxistests.

Ist Ihr Hund eher stressanfällig oder hat er ein richtig dickes Fell? Was tun Sie, um Stress zu vermeiden? Lassen Sie es uns wissen, gerne mit einem Beitrag in den Kommentaren.

Wer schreibt hier eigentlich?
Wer schreibt hier eigentlich?
Ich bin Markus. Als zertifizierter Ernährungsberater für Hunde liegt mir die artgerechte Ernährung unserer Vierbeiner ganz besonders am Herzen.
Wir freuen uns über jeden Kommentar!

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