Warum frisst mein Hund Erde oder Gras?

Erst kĂŒrzlich waren wir wieder auf einem langen Spaziergang durch die Wiesen und WĂ€lder Norddeutschlands. Kaum haben wir Holly losgebunden, springt sie freudig durch die Wiesen und lĂ€uft kreuz und quer. Nicht selten stoppt sie dabei an schmackhaft wirkenden Grashalmen oder einem Haufen Grassilage und beginnt zu fressen. Viele Hundebesitzer kennen dieses PhĂ€nomen, welches wir in diesem Ratgeber genauer thematisieren möchten.
Warum frisst mein Hund Gras?

Warum frisst mein Hund Gras? / © averyanova – depositphotos.com

Ist Gras fressen fĂŒr den Hund gefĂ€hrlich?

Hier kann Entwarnung gegeben werden. Fast alle Hunde fressen zwischendurch gerne Gras. Und es ist definitiv nicht gefĂ€hrlich fĂŒr sie. Vielmehr haben die Hunde das Grasfressen sogar in den Genen, es ist schlichtweg ein Instinkt.

Ob dabei nur einzelne Grashalme verspeist werden oder doch gleich ganze BĂŒschel im Maul verschwinden, ist von Hund zu Hund verschieden. Das Gras an sich enthĂ€lt zahlreiche fĂŒr den Hund wichtige Inhaltsstoffe wie

  • Ballaststoffe
  • FolsĂ€ure
  • Mineralstoffe
  • Vitamine

Das im Gras enthaltene Magnesium wirkt zum Beispiel positiv auf den Magen. Doch was steckt hinter dem Gras fressen und was sind die GrĂŒnde dafĂŒr?

Die GrĂŒnde

Was steckt dahinter, wenn der Hund auf einmal zum Grasliebhaber wird? Eine abschließende wissenschaftliche ErklĂ€rung dafĂŒr gibt es leider noch nicht. Doch es gibt Vermutungen.

So kann es zum Beispiel sein, dass der Vierbeiner durch das Gras einen NĂ€hrstoffmangel ausgleichen möchte. Oder er hat schlichtweg Hunger. Auch Verdauungsprobleme können ursĂ€chlich fĂŒr das Gras fressen sein.

Oder auch die folgenden

Auch der Stressabbau liegt im Bereich der möglichen GrĂŒnde. Es kann auch schlichtweg eine Übersprungshandlung in unangenehmen Situationen sein. Oder der Hund knabbert einfach aus Langeweile an den grĂŒnen StĂ€ngeln.

Doch auch ein Fremdkörper, den der Vierbeiner versehentlich verschluckt hat, kann die Ursache fĂŒr ein plötzliches Gras fressen sein. Denn mithilfe der Halme versucht der Hund, die Fremdkörper auszuscheiden oder auszuwĂŒrgen.

Die Folgen

Die wohl harmloseste Folge von gefressenem Gras beim Hund sind unverdaute Grashalme im Kot. Diese können wÀhrend des Kotabsetzens nur zur HÀlfte mit ausgeschieden werden oder die einzelnen Köttel miteinander verbinden.

Frisst der Vierbeiner zu viel Gras, kann dies auch zu Durchfall fĂŒhren. Auch Erbrechen kann eine Folge von ĂŒbermĂ€ĂŸigem Grasverzehr sein. In beiden FĂ€llen sollte – wenn Durchfall und vor allem Erbrechen hĂ€ufig auftreten – ein Tierarzt aufgesucht werden.

Wurde das gefressene Gras erst kĂŒrzlich mit Pestiziden behandelt und der Hund hat eine grĂ¶ĂŸere Menge aufgenommen, so sollte auch hier zeitnah die Meinung eines Tierarztes eingeholt werden.

Hund frisst Gras – muss ich was tun? Und wenn ja, was?

Die goldene Regel zuerst: nicht schimpfen! Schließlich ist das Grasfressen keine Missetat des Hundes. Es ist gut, darauf zu achten, dass der Vierbeiner nur dort Gras genießen kann, wo keine Pestizide oder andere ungesunde oder giftige Stoffe auf den Grashalmen sind. Auch auf etwaige giftige Pflanzen muss geachtet werden.

Das Gras am direkten Straßenrand oder auch an der Grenze zu Feldern und GĂ€rten sollte gemieden werden. Denn dieses ist meist durch Abgase oder auch Pestizide und DĂŒnger belastet.

Frisst der Hund ĂŒbermĂ€ĂŸig viel Gras, sollte er abgerufen werden und anschließend auch angeleint werden, damit er nicht sofort wieder auf die Wiese lĂ€uft und weiter frisst. Zudem sollten die UmstĂ€nde genau beobachtet werden. Tritt das Verhalten stets an einer bestimmten Stelle auf? Oder in bzw. nach bestimmten Situationen?

Hundekot aufsammeln

Achten Sie nach dem Gras fressen auf den Stuhlgang und Kot des Hundes / © KostyaKlimenko – depositphotos.com

Wann zum Tierarzt?

Der Tierarzt sollte aufgesucht werden, wenn der Vierbeiner auffallend viel Gras frisst. Reduziert sich dabei zusÀtzlich noch der Appetit des Hundes auf sein normales Futter, liegt definitiv etwas im Argen.

In seltenen FĂ€llen kann es vorkommen, dass beim Kotausscheiden ein Grashalm nur hĂ€lftig aus dem After austritt. Und folglich darin feststeckt. Hier heißt es: auf keinen Fall einfach schnell oder grob herausziehen! Die Kanten von so manchem Grashalm können scharf sein und beim Herausziehen den Darm- und Afterbereich des Tiers verletzen. Der Halm muss in einem solchen Fall vorsichtig, langsam und mit Bedacht herausgezogen werden. Zeigen sich Probleme, ist der Gang zum Tierarzt angeraten. Und das auch dann, wenn der Tierhalter sich beim Herausziehen des Halms unsicher ist.

FÀngt der geliebte Vierbeiner nach dem Gras-Verzehr an zu Erbrechen, ist das in geringem Umfang normal. HÀlt das Erbrechen jedoch an, ist der Besuch in der Tierarztpraxis unumgÀnglich. Auch Durchfall sollte ein Alarmzeichen sein. Ebenso andere Beschwerden wie Fieber, besondere TrÀgheit, Husten und dergleichen.

Findet sich nach dem Grasgenuss Blut im Kot oder im Erbrochenen, ist höchste Eile angesagt. Der Weg zum Tierarzt muss in einem solchen Fall unverzĂŒglich angetreten werden.

Verstopfung kommt in jedem Hundeleben vor. Stellt sich diese Beschwerde allerdings nach dem Fressen von Gras ein, sollte ein Tierarzt konsultiert werden. Denn im schlimmsten Fall kann sich daraus ein Darmverschluss entwickeln.

Hausmittelchen

Wer sich mit dem Gedanken an einen grasfressenden Hund unwohl fĂŒhlt, kann zu „Hausmittelchen“ greifen.

Liegt es lediglich am Hunger, dass der Hund an Grashalmen nagt, kann eine MehrfachfĂŒtterung Abhilfe schaffen. Hierbei wird statt nur einem oder zweimal pro Tag einfach einmal mehr gefĂŒttert. Dies sorgt zeitgleich dafĂŒr, dass sich nicht zu viel MagensĂ€ure bilden kann, ohne Nahrung zu verwerten. In einigen FĂ€llen hilft auch eine Futterumstellung, insbesondere bei einer ÜbersĂ€uerung. In unserem Hundefutter Test finden Sie einige hochwertige Hundefutter vorgestellt.

Mag der Vierbeiner sein Futter einfach nicht, empfiehlt sich eine Futterumstellung. Sei es zu einer anderen Marke oder ein Umstieg auf das Barfen. Liegt der Grund des Grasfressens beim Hund an NÀhrstoffmangel, kann Heilerde helfen. Diese ist in Apotheken wie auch in Drogerien erhÀltlich.

Achtung! Bevor mit diesen Hausmitteln experimentiert wird, sollte der Gesundheit des Hundes zuliebe mit dem Tierarzt RĂŒcksprache gehalten werden. Denn es kann immer sein, dass der Hund aus gesundheitlichen GrĂŒnden Gras frisst, bei denen nur der VeterinĂ€r helfen kann.

Aktiver Hund in den Wiesen

Sollten trotz Gras fressen nicht zu kurz kommen: Spaß & Bewegung in der Natur / Foto: Ksuksann – depositphotos.com

Und wie sieht es mit Erde aus?

So mancher Hund frisst nicht nur Gras, sondern findet auch Erde recht schmackhaft. Was sind die GrĂŒnde dafĂŒr und vor allem: ist es gefĂ€hrlich?

Die Ursachen fĂŒr das Fressen von Erde beim Hund sind die gleichen wie auch beim Gras. Sie reichen von NĂ€hrstoffmangel ĂŒber Stress und Hunger bis hin zu einer Erkrankung. Nur ein wenig Erde hin und wieder stellt an sich kein Risiko dar. Artet das Erde fressen jedoch aus, tritt hĂ€ufig auf oder es sind große Mengen, stellt dies doch ein Problem dar. Denn dann treten die Risiken des Erdverzehrs zutage.

Große Gefahr fĂŒr den Hund geht von Erde aus, die mit Schneckenkorn oder anderen Giften belastet ist. Auch eine durch diese Gifte verendete Schnecke oder anderes vergiftetes Getier kann mit der Erde aufgenommen fĂŒr den Hund lebensbedrohliche Folgen haben.

Auch Tierkot oder auf natĂŒrlichem Weg verendete Tiere, die in der Erde verborgen sind, können dem Hund gefĂ€hrlich werden. Hier spielen diverse Bakterien, Parasiten und Co. eine Rolle. All dies kann der Hund mit der Erde aufnehmen. Und die gesundheitlichen Folgen davon treten oftmals erst nach Wochen oder Monaten auf.

Wichtig zu wissen: Erde allein und in geringen Mengen ist fĂŒr den Hund ungefĂ€hrlich. Es kommt auf die Menge, die HintergrĂŒnde und ggf. auf die zusĂ€tzlich aufgenommenen Dinge an.

Werden jedoch grĂ¶ĂŸere Mengen gefressen, kann dies zu Verdauungsproblemen wie Durchfall oder auch Verstopfung fĂŒhren. Zu was von beidem hĂ€ngt von der Beschaffenheit des Bodens ab. Auch Erbrechen kann eine Folge des Erdverzehrs sein. Im Normalfall erholt sich der Hund davon schnell wieder. Ist dies nicht der Fall, muss ein Tierarzt konsultiert werden.

Eigene Erfahrungen

Ich bin mit Hunden aufgewachsen und kann mich an keinen Vierbeiner erinnern, der nicht zumindest ab und zu ins grĂŒne Gras gebissen hat. Gesundheitliche Probleme gab es keine, zumindest wurden nie welche festgestellt. Bei unserer FamilienhĂŒndin ist es besser geworden, seitdem wir ihr Futter auf ein hochwertiges Nassfutter umgestellt haben. Wir vermuten: das neue Futter wird besser verwertet, die Verdauung sollte zuvor durch das gefressene Gras angekurbelt werden.

Mitte 2020 habe ich einen Welpen aus dem griechischen Tierschutz adoptiert. Auf Rhodos ist grĂŒnes Gras eher selten, umso freudiger lief mein Kleiner in den ersten Tagen also durch die grĂŒnen Wiesen und Weiden Norddeutschlands. Welpen sind in aller Regel neugierig und knabbern an vielen Dingen. Neben Stöckern, Ästen, PferdeĂ€pfeln, Grassilage und Rindenmulch, hat sich mein Welpe auch schnell in saftige Grashalme verguckt. Er ist kerngesund, hatte sowohl kurz vor der Ausreise als auch bei uns in Deutschland ganzheitliche Gesundheitschecks.

Wir haben die Chance genutzt und unsere TierĂ€rztin vor einiger Zeit nach ihrer persönlichen Meinung bezĂŒglich des Grasfressens bei Hunden gefragt. Sowohl ihre eigenen zwei Hunde als auch viele Hunde ihrer Kund*innen fressen regelmĂ€ĂŸig bis oft Gras, Erde oder Pflanzenteile. In den seltensten FĂ€llen wurden nach Untersuchungen Krankheiten festgestellt. Am hĂ€ufigsten wird ĂŒbermĂ€ĂŸig viel Gras nach und wĂ€hrend einer Futterumstellung konsumiert. Das neue Futter wird noch nicht optimal verwertet. Die Ballaststoffe könnten die Verdauung antreiben. Tritt das Grasfressen in Kombination mit Erbrechen, saurem Aufstoßen oder Sodbrennen auf, so liegt hĂ€ufig eine ÜbersĂ€uerung vor. Diese kann vom Tierarzt durch Tests festgestellt werden.

Fazit
Wenn Ihr Hund Gras oder auch Erde frisst, ist dies in den meisten FĂ€llen kein Grund zur Sorge. Zumindest dann nicht, wenn sich Menge und HĂ€ufigkeit in Grenzen halten. Nimmt die Aufnahme von Gras und Erde jedoch schon fast krankhafte ZĂŒge an, sollte ĂŒber die Ursache nachgedacht und auf jeden Fall auch der Tierarzt aufgesucht werden.

Meist handelt es sich beim Fressen von Gras oder Erde wohl schlichtweg um einen Instinkt des Hundes. Doch in manchen FÀllen kann es auch einen unschönen Grund haben, den der Vierbeiner alleine nicht lindern kann.

Wie sind Ihre Erfahrungen? Frisst Ihr Vierbeiner Gras oder Erde? Gibt es weitere Dinge, auf denen Ihr Liebling gerne herumkaut? Entstehen gesundheitliche Folgen, wie Durchfall oder Erbrechen? Kam es gar zu einer tierÀrztlichen Untersuchung? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen Hundehalter*innen. Vielen Dank!

Wir freuen uns ĂŒber jeden Kommentar!

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